Bildquelle: Pressefoto Brompton Bicycle Ltd. Eigene Aufnahmen meines Rades folgen, sobald die Sonne wieder mitspielt.
Ich war nie ein „Fahrrad-Mensch". Adam ja — der hat eines mit Reifen, die so dick sind wie meine Unterarme, und schraubt seit Jahren daran herum. Ich habe ein Stadtrad, mit dem ich zum Bäcker fahre, und im Wohnmobil hatten wir bisher zwei Klappräder vom Discounter, die ich in fünf Jahren genau viermal benutzt habe. Sie waren schwer, sie quietschten, und das Falten war so nervig, dass ich lieber zu Fuß ging.
Im Januar 2026 war ich auf der CMT in Stuttgart. Adam wollte zu den Wohnmobil-Aufbauern, ich bin in die Halle mit den Falträdern abgebogen — eigentlich nur, weil dort die Sitzbänke standen. Auf einem Stand habe ich ein Rad gesehen, das so klein gefaltet war, dass es in eine Reisetasche gepasst hätte. Ein freundlicher älterer Herr fragte: „Wollen Sie's mal probieren?"
Ich habe es probiert. Eine Runde durch die Halle. Dann eine zweite. Dann habe ich Adam angerufen und gesagt: „Du musst mal kommen."
Was mich auf der CMT umgehauen hat
Ich hatte vorher nicht einmal gewusst, dass es das gibt: Ein Rad, das sich in zwölf Sekunden in einen Klotz verwandelt, den man unter den Fahrertisch eines Wohnmobils legen kann. Ein Brompton C-Line — und auf demselben Stand: das C-Line Electric mit 12-Gang-Schaltung und einem unsichtbar in der Vorderradnabe versteckten Motor. Schwarz lackiert, mit einem Ledersattel, der aussah wie aus einem Reisefilm.
Was mich überrascht hat, war nicht das Falten. Das Falten ist hübsch, aber Beiwerk. Was mich überrascht hat, war das Fahrgefühl. Ich hatte Klapprad-Skepsis: zappelig, instabil, wackelig. Ein Brompton fährt sich wie ein richtiges Fahrrad. Aufrechte Sitzposition, agil, leise, mit einer Lenkpräzision, die ich von meinem klobigen Stadtrad nicht kenne. Bei der Probefahrt habe ich gegrinst — wie das Mädchen, das ich mit zwölf war, als ich zum ersten Mal eine Schaltung hatte.
Adam kam dazu, hörte sich die Erklärung an, fuhr selbst eine Runde, kam zurück und sagte: „Das Ding ist gut gemacht." Aus seinem Mund ist das ein Liebesgedicht.
Wir gingen — ich kaufte nicht direkt. Ich bin ein Mensch, der schläft erst eine Nacht über einem Kauf, der über tausend Euro kostet. Aber im Auto auf der Heimfahrt habe ich gedacht: das ist es.
Der Februar und der Kauf
Drei Wochen später bin ich zu einem Brompton-Händler in der Region gefahren. C-Line ohne Motor? C-Line Electric? Drei, sechs oder zwölf Gänge? Ich habe drei Stunden mit der Verkäuferin gesprochen — sie hat selbst eines, fährt damit zum Bahnhof, klappt es im Zug auf den Beifahrersitz, fährt am Zielort weiter. „Es ist kein Fahrrad. Es ist ein Mobilitäts-Werkzeug."
Ich habe mich für die C-Line Electric mit 12-Gang-Schaltung entschieden. Schwarz mit braunem Sattel. Schutzbleche, Frontträger, Beleuchtung. Der Vorderrad-Motor unterstützt bis 25 km/h, der Akku verschwindet vorne in einer kleinen Tasche und ist in fünf Sekunden gewechselt. Auf den Bahnpendel-Strecken bringt er mich morgens entspannt durch den Hügel zum Institut, ohne dass ich verschwitzt ankomme. Im Wohnmobil-Urlaub macht er aus 5 Kilometern in den Ortskern fünf Kilometer — keine Bergauf-Diskussion mehr.
Ich war erschrocken, als die Rechnung gemacht wurde: 3.399 €, mit den gewählten Anbauten. Das ist mehr als unser erster gemeinsamer Kühlschrank gekostet hat. Adam hat nichts gesagt. Er weiß: Wenn ich mir etwas einrede, dann meistens drei Jahre lang. Wenn ich es einmal kaufe, ist es richtig.
Was es im Wohnmobil verändert hat
Wir waren im März für drei Tage am Bodensee. Erstes Mal mit dem Brompton im Mobil. Ich war gespannt, was sich ändert.
1. Es ist immer dabei
Die alten Klappräder hingen außen am Heckträger. Bei Regen wurden sie nass, bei Sonne staubig, beim Aufbocken am Stellplatz war erst einmal Schloss-Geknibbel angesagt. Das Brompton liegt im Wohnmobil unter dem Tisch. Falten in 12 Sekunden, einsteigen ins Mobil, fertig. Ich habe es im März öfter benutzt als die Klappräder in fünf Jahren.
2. Es macht Stellplätze größer
Wir haben in den letzten drei Monaten zweimal Stellplätze gefunden, die genau das richtige Maß hatten an Idylle und 4 Kilometer von der Innenstadt entfernt waren. Früher hieß das: also zu Fuß zu weit, mit dem Mobil hinfahren ist Quatsch, dann lieber den Stellplatz im Industriegebiet. Heute heißt es: 15 Minuten mit dem Brompton. Ich war in Konstanz vom Stellplatz aus auf dem Markt. Ich war in Lindau am See spazieren. Ich war in Lindenberg im Café, während Adam mit den Kindern am Mobil blieb.
3. Es ändert die Routen-Logik
Wenn man weiß, dass man vor Ort 5–10 Kilometer Bewegungsradius hat — ohne den ganzen Aufbau zu verlassen — sucht man andere Stellplätze. Stillere. Schönere. Wir haben in der letzten Saison zwei Stellplätze direkt am Wasser gehabt, die ohne Faltrad nicht funktioniert hätten.
4. Adam will jetzt auch eines
Auf der CMT war er höflich-interessiert. Im April hat er drei Abende im Internet recherchiert. Im Mai redet er von der M-Line-Variante mit Lenker mit höherem Stand, weil seine Knie es bei meiner C-Line nicht ganz freundlich finden. Ich glaube, im Herbst sind wir Brompton-Familie.
Was sich auf dem Bahnweg verändert hat
Ich pendle als Wissenschaftlerin zur Arbeit — meistens mit der Bahn. Vor dem Brompton war mein Arbeitsweg: zehn Minuten zu Fuß zum Bahnhof, Bahn, am Zielort fünfzehn Minuten zu Fuß zum Institut. Insgesamt etwa 1:05 Stunden. Mit Pannen-Bahn, Verspätung, Regen — schnell auch 1:30 Stunden.
Heute: Drei Minuten mit dem Brompton zum Bahnhof. Im Zug das Rad gefaltet auf dem Sitz neben mir (als Gepäck zugelassen, kein Fahrradticket nötig — das ist der unterschätzte Killer-Vorteil eines Bromptons). Am Zielort fünf Minuten ans Institut. Insgesamt 38 Minuten. Ich habe pro Tag fast eine Dreiviertelstunde gewonnen.
Was ich nicht erwartet hätte: Ich gehe lieber zur Arbeit. Es klingt albern. Aber wenn man morgens fünf Minuten durch die noch leere Stadt fährt, mit einem Rad, das wirklich rollt, beginnt der Tag anders. Ich höre keine Podcasts mehr beim Pendeln. Ich höre die Stadt.
„Ich habe nicht ein Faltrad gekauft. Ich habe Zeit gekauft. Und Wege, die ich vorher nicht gegangen wäre."
Was ein Brompton kostet — und was es ersetzt
Ja, es ist teuer. Die C-Line Electric mit 12-Gang-Schaltung und meinem Anbau-Paket hat 3.399 € gekostet. Ich habe das im ersten Moment unfassbar gefunden. Ein Discount-Klapprad bekommt man für 250 €. Eine C-Line ohne Motor kostet je nach Ausstattung zwischen 1.700 und 2.300 € — die Electric-Variante schlägt mit knapp 1.000 € Aufpreis zu Buche.
Aber: Ich habe ausgerechnet, was es uns als Familie gespart hat — und mir persönlich gibt:
- Bahn statt Auto zur Arbeit: 80 Tankfüllungen weniger pro Jahr. Bei 70 € pro Füllung sind das 5.600 €. (Wir haben jetzt zwei Autos statt drei nicht angeschafft.)
- Keine Fahrradtickets in der Bahn mehr: 4,80 €/Strecke, an Pendler-Tagen schnell 600 €/Jahr. Mit gefaltetem Brompton kostenlos.
- Stellplätze, die früher unmöglich waren: ein Faktor, der schwer zu beziffern, aber real ist.
Wenn ich ehrlich bin: Das Brompton ist binnen anderthalb Jahren bezahlt — wenn man die Vergleichsrechnung wirklich aufmacht. Mehrere Bekannte haben mir das nicht geglaubt, bis ich's vorgerechnet habe. Wertstabil bleibt es obendrein — gebrauchte Falträder dieser Marke verlieren erstaunlich wenig.
Was ich Frauen sagen würde, die zögern
Bei der CMT habe ich beobachtet, wer probefährt. Männer steigen drauf, fahren los, prüfen Schaltung und Bremsen — sportlich-pragmatisch. Frauen stehen am Stand und fragen die Verkäuferin Sachen wie: „Schaffe ich das überhaupt?", „Ist das nicht wackelig?", „Fühlt man sich nicht albern?"
Liebe Mitleser-Frauen: Es ist nicht wackelig. Es ist nicht zu hoch. Es ist nicht zu schwer — die Electric kommt mit Motor und Akku auf rund 17 kg, also etwa wie ein normales Stadtrad, deutlich weniger als jedes Pedelec. Die nicht-elektrische C-Line liegt sogar bei 12 kg, leichter als die meisten Discount-Klappräder. Und nichts an einem Brompton ist albern. Es ist eines der durchdachtesten Alltagsobjekte, die ich je besessen habe — neben meinem Wasserkocher und meiner Mütze.
Geht zu einem Händler. Fahrt eine Runde. Nehmt euch die Zeit. Wenn es euch nicht packt — kein Schaden. Wenn es euch packt: Es ist eines der wenigen Dinge, von denen ich heute sage, ich hätte es früher kaufen sollen.
Was ich Adam sagen muss
Er liest das hier mit. Er weiß, dass ich es ernst meine: Im Wohnmobil ist Platz für zwei Falträder. Wenn du noch lange wartest, sind die Bromptons weiter im Preis gestiegen.
Ich hätte vor drei Monaten nicht geglaubt, dass ein Fahrrad mein Reisen, mein Pendeln und meinen morgendlichen Ton verändern könnte. Es hat. Auf der CMT habe ich nicht einkaufen wollen. Ich habe ein Werkzeug gefunden, das nicht im Werkzeugkasten liegt, sondern unter dem Tisch im Wohnmobil — und das mich seit Februar jeden Tag besser benutzt als ich erwartet hatte.
Im nächsten Januar gehen wir wieder auf die CMT. Diesmal weiß ich, in welcher Halle ich anfange.
— Carolin