Frühjahrscheck in 90 Minuten — die Checkliste, mit der unser Wohnmobil seit fünf Jahren ohne Panne aus der Pause kommt

Ende März, der erste warme Tag. Vor jeder Saison gehen wir mit derselben Liste am Mobil entlang. 90 Minuten — und seitdem kein einziger Saisonstart-Schock mehr. Hier ist, was draufsteht.

Es war ein März vor sechs Jahren. Wir wollten am Wochenende ins Allgäu. Adam drehte den Schlüssel: nichts. Aufbaubatterie tot, Frischwasserhahn klebte fest, eine Maus hatte sich in der Kochschublade ein Winterquartier gebaut. Wir blieben zu Hause. Carolin sagte den Satz, der seitdem auf einem Notizzettel an unserer Garage hängt: „Beim nächsten Mal machen wir das vorher."

Heute brauchen wir für unseren Frühjahrscheck etwa 90 Minuten. Es gibt seitdem keinen einzigen Saisonstart-Schock mehr. Hier ist die Liste — Schritt für Schritt, in der Reihenfolge, in der wir sie tatsächlich abarbeiten.

Vorab: Was ihr braucht

  • Multimeter (oder Ladegerät mit Spannungsanzeige)
  • Eimer Wasser, Schwamm, Mikrofasertuch
  • Reifen-Druckprüfer
  • Taschenlampe
  • Frischwasser-Schlauch und Trinkwasser-Reiniger
  • Eine Tasse Kaffee. Ohne geht es nicht.

Der Ablauf — 90 Minuten, drei Blöcke

Block 1: Außen (25 Minuten)

1. Reifen prüfen

Druck korrigieren (Werte stehen am Türrahmen oder in der Bedienungsanleitung — bei voller Beladung höher!). Profil sichten. DOT-Nummer prüfen: Reifen über sechs Jahre fliegen raus, egal wie das Profil aussieht. Reifen sind das Bauteil, an dem niemand sparen sollte.

2. Karosserie kontrollieren

Einmal um das Mobil. Steinschlag-Stellen mit dem Finger fühlen — gibt es offene Roststellen? Sind alle Fugen am Aufbau dicht? Adam streicht mit dem Finger über alle Übergänge — ist das Silikon weich, klebrig, geschrumpft? Dann ist ein Nachsiegeln im April fällig.

3. Dach inspizieren

Wenn ihr eine Leiter habt: hochklettern. Sonst: Abdeckungen der Dachfenster, Solar-Halterungen und Antennen mit dem Auge prüfen. Sind alle Klebeflächen noch flach am Dach? Hängt irgendwo eine Ecke? Vögel haben da oben gerne ein Nest gebaut — auch das gilt es zu wissen.

4. Unterboden mit Taschenlampe

Gibt es neue Roststellen am Rahmen? Tropft es irgendwo? Sind alle Bremsleitungen sauber? Hängt der Auspuff fest oder lose? Ist der Tank trocken (kein dunkler Fleck darunter)?

Block 2: Aufbau & Versorgung (35 Minuten)

5. Aufbaubatterie laden und messen

Mit dem Multimeter messen: unter 12,2 V = nachladen. Unter 11,8 V = oft schon Schaden. Wer die Batterie über den Winter abklemmt (empfohlen!), spart hier viel — aber prüfen muss man trotzdem.

6. Frischwasser-System spülen

Tank füllen, einen halben Liter Trinkwasser-Desinfektion einlassen (z. B. Micropur Forte), 30 Minuten einwirken lassen, alle Hähne durchspülen. Bei länger eingelagertem Wasser entsteht Biofilm in den Leitungen — den ihr im April nicht trinken wollt.

7. Toilette prüfen

Cassette einsetzen, Wasser aktivieren, Spülung testen. Riecht es schon? Dann ist die Cassetten-Dichtung trocken — eine neue kostet 14 €.

8. Gasprüfung

Flasche aufdrehen. Riecht ihr Gas? Sofort zudrehen, lüften, Werkstatt anrufen. Sonst: Herd anmachen, brennt er gleichmäßig, blau, ohne Gelbflamme? Heizung anmachen, läuft sie ohne Pufferschritt durch? Gasprüfung an sich ist eine Werkstattaufgabe — aber der Eigenscheck deckt 80 % der Probleme vor dem Termin auf. Was CO-Melder dabei leisten, was keine Gasprüfung prüft, erklären wir in unserem Beitrag zu CO-Melder, Gaswarner und Rauchmelder.

9. Kühlschrank

Auf 12V-Betrieb starten (Motor laufen!), dann auf Gas, dann auf 230V testen. Drei Modi, drei Funktionen. Pufft er auf Gas? Kühlt er auf 230V innerhalb einer Stunde sichtbar runter? Wenn nicht: Werkstatttermin.

10. Innen-Inspektion

Schubladen, Bett, Ecken: Spuren von Marder, Maus, Insekten? Geruch im Sitzpolster — modrig oder okay? Schimmel hinter den Schränken (mit Taschenlampe!)? Ein muffiger Geruch nach Saison ist normal — beißend-feucht ist Alarm.

Block 3: Fahrwerk & Probefahrt (30 Minuten)

11. Motor starten

Springt er sofort an? Springt er nach dem Winter mit Mühe an? Kontrollleuchten alle aus? Bordcomputer alle Funktionen? Scheibenwaschanlage gefüllt?

12. Bremsenfunktion

Ein paar Meter vor- und zurück, sanft bremsen. Quietschen ist nach langem Stehen normal — sollte nach 200 Metern weg sein. Bleibt es laut, oder zieht das Mobil beim Bremsen einseitig: Werkstatt.

13. Probefahrt 15 Minuten

Land und Stadt. Lenkung gerade? Vibrationen bei 80–100 km/h (oft Auswuchten nötig)? Klimaanlage läuft? Kann die Anhängerkupplung fest gedreht werden? Diese Viertelstunde sagt euch mehr als jede stationäre Prüfung.

14. HU-Termin checken

Letzter Punkt am Block 3, oft vergessen: Wann läuft die HU ab? Frühjahrscheck ist der beste Moment, einen Termin zu machen, bevor alle anderen es auch tun.

„90 Minuten im April sind 90 Minuten weniger Stress im Juli auf einer kroatischen Landstraße."

Was wir uns angewöhnt haben

  • Wir machen das immer am selben Wochenende. Letztes März-Wochenende, ohne Ausnahme. Carolin trägt das im Familienkalender ein — wie einen Kindergeburtstag.
  • Wir notieren, was wir nachbestellen müssen. Nach dem Check fehlt fast immer etwas: Toilettenchemie, Frostschutz, eine Sicherung, Klebeband. Bestellliste sofort abarbeiten — sonst fehlt es im Juni.
  • Wir machen Fotos. Vor allem von Roststellen, Dichtungen und Reifen. Im Vergleichsmonat Oktober sehen wir, was sich verschlechtert hat.

Was im Buch steht

Im Schrauber-Handbuch findet ihr die komplette Frühjahrs- und Herbst-Checkliste als ausdruckbare Vorlage, plus ein Kapitel zu den 12 häufigsten „Saisonstart-Defekten" und wie ihr sie selbst behebt. Außerdem: eine Materialliste, die Adam jedes Jahr im März bestellt — ein Karton voller Kleinigkeiten für 60 €, der Werkstattbesuche im Wert von 600 € erspart.

Ein Wohnmobil ist kein Fahrzeug, das man im Frühjahr aufschließt und losfährt. Es ist eines, das im Frühjahr angeschaut werden will. 90 Minuten. Eine Tasse Kaffee. Und eine entspannte Saison.