Wir standen vor sieben Jahren das erste Mal an einer französischen Mautstation. Wohnmobil 3,2 Meter hoch, Anhänger nicht da, Spur „Class 2". Adam steckte die Karte ein, das Display zeigte 47,80 €. Carolin sagte: „Bist du sicher, dass das stimmt?" Adam war nicht sicher. Wir bezahlten, parkten 200 Meter weiter, googelten die Klassen — wir hatten gerade die falsche Spur erwischt und für einen LKW bezahlt.
Seitdem haben wir uns das Maut-System in den Ländern, durch die wir regelmäßig fahren, ehrlich erschlossen. Hier ist, was wir machen — und was wir nicht mehr machen.
Frankreich — Telepass „Bip&Go" oder „Ulys 30"
Frankreich hat das mit Abstand undurchsichtigste Klassen-System für Wohnmobile. Class 2 für die meisten unter 3,5 t mit unter 3 m Höhe — aber Achtung: ist euer Mobil 3,01 m hoch, gehört ihr in Class 3 (deutlich teurer!). An manchen Mautstellen wird per Lichtschranke gemessen, an anderen Pi mal Daumen.
Wir haben seit 2022 eine Telepass-Box („Bip&Go", monatlich 1,70 €, Maut-Abrechnung Ende des Monats). Vorteile:
- Eigene Spur (gelber „t"). Kein Anstehen, kein falsches Knöpfchen.
- Korrekte Klassifizierung. Die Box weiß, dass wir Class 2 sind. Schluss mit Lotterie.
- Italien, Spanien und Portugal funktionieren mit der gleichen Box. Ein Vertrag, fünf Länder.
Wer Frankreich nur einmal im Jahr durchquert, kann die Bar-Spur nehmen — wer regelmäßig fährt, spart mit der Box auf eine Saison Stunden.
Schweiz — Vignette ist nicht alles
Vignette für Fahrzeuge bis 3,5 t: 40 CHF, ein Kalenderjahr gültig. Über 3,5 t: Ihr braucht keine Vignette, sondern zahlt eine Schwerverkehrsabgabe (PSVA) — das ist eine Tageskarte und wird an der Grenze ausgestellt. Achtung: Viele Reisende mit Fahrzeugen knapp über 3,5 t haben das nicht auf dem Schirm.
Plus: Manche Pässe und Tunnel kosten extra (Großer St. Bernhard, Munt-la-Schera). Vorher prüfen, sonst gibt's am Tunneleingang die unangenehme Überraschung.
Österreich — Vignette + Streckenmaut
Klassische Vignette (10-Tages-Variante 9,90 €, Jahresvignette 96,40 €) plus Sondermaut auf bestimmten Strecken: Brenner, Tauern, Pyhrn, Karawanken, Arlberg. Wer über den Brenner runter fährt, zahlt zusätzlich rund 12 € einfach.
Tipp: Die digitale Vignette gibt's online — wer am Vortag der Reise bestellt, hat sie spätestens am Reisetag aktiv (18-Tage-Frist!). Klassische Klebevignette geht direkt.
Italien — Telepass oder Ticket-Spur
Italien ist mit der Telepass-Box (siehe Frankreich) am angenehmsten. Ohne Box zieht ihr an der Mautstation ein Ticket, gebt es am Ausgang ab und zahlt. Wichtig: Es gibt zunehmend „Free Flow"-Strecken (z. B. A36 bei Mailand) — kein Mautstation, sondern Kennzeichenerfassung, Bezahlung später online. Wer das nicht weiß, bekommt vier Wochen später eine Rechnung mit Säumnisaufschlag nach Hause.
Slowenien & Kroatien
Slowenien: Vignette/Pickerl. Bis 3,5 t Pkw-Vignette (15 € Wochenvignette, 32 € Monatsvignette). Über 3,5 t — wieder ein eigenes System (DARS-Box).
Kroatien: Streckenmaut, Tickets ziehen wie in Italien. Telepass funktioniert dort nicht — Bargeld oder Kreditkarte. Wer die Küstenstraße nimmt, spart Maut, verliert aber Zeit.
Spanien & Portugal
Spanien: Viele Autobahnen sind heute mautfrei (Stand 2024 — die AP-7 wurde 2021 freigegeben). Nur einige Strecken kosten noch, Telepass funktioniert. Mautrechner online vorab nutzen.
Portugal: „Vias Verdes" — viele Autobahnen sind elektronische Mautstrecken ohne Schranken. Wer ohne Box fährt, muss sein Kennzeichen vorab oder nachträglich registrieren. Ohne Registrierung kommt eine Rechnung — oft Monate später, aus einem Inkassobüro. Wir empfehlen die Telepass-Box („Via Verde Visitors") schon vor der Grenze einzubauen.
Was wir mittlerweile machen
Eine Box für alles
Wir haben eine Telepass-Box, die in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal funktioniert. Monatliche Grundgebühr 1,70 €, Maut wird einfach abgebucht. Keine Belege sammeln, keine falschen Spuren, keine Inkassobriefe Monate später.
Vorab den Mautrechner nutzen
ViaMichelin oder „TollGuru" — beide rechnen relativ zuverlässig die voraussichtlichen Maut-Kosten einer Strecke aus. Auf einer typischen Frankreich-Italien-Tour kalkulieren wir mittlerweile 80–120 € Maut für die Hin- und Rückreise. Vorher wussten wir das nicht.
Vignetten online statt Tankstelle
Schweiz, Österreich, Slowenien — alle drei verkaufen digitale Vignetten online. Wir bestellen am Tag vor der Reise. Spart die Wartezeit an der Tankstelle und das Risiko, sie an der falschen Stelle zu kleben.
Bargeld in Reserve
In Kroatien, Bosnien und auf manchen Pässen geht's nicht ohne. Wir haben immer einen Umschlag mit Klein-Geld in den Landeswährungen im Handschuhfach.
„Maut ist kein Mysterium mehr. Sie ist eine Hausaufgabe für 30 Minuten am Esstisch — die euch Geld, Zeit und drei Mautstation-Diskussionen erspart."
Was im Buch steht
Im Wohnmobil Einsteiger-Guide haben wir ein eigenes Kapitel „Maut & Vignetten in 12 europäischen Ländern" — mit aktuellen Tarifen pro Klasse, Anbietervergleich der Maut-Boxen, Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anmeldung der „Free Flow"-Strecken in Portugal — und einer Tabelle, die zeigt, ab wann sich eine Telepass-Box lohnt (Spoiler: ab der zweiten Frankreichdurchquerung).
Wer einmal verstanden hat, wie Maut in Europa funktioniert, fährt entspannter. Und ärgert sich nicht, wenn das Display 47,80 € zeigt — weil er weiß, ob es stimmt.