Was kostet ein Camping-Jahr wirklich? — Unsere Zahlen aus zwölf Monaten für 2026

Diesel bei 2,20 €, alles teurer geworden — wir haben jede Ausgabe des Jahres 2026 festgehalten. Fixkosten, Sprit, Stellplätze, Reparaturen. Hier kommen die echten Zahlen, ungeschönt.

Vor einem Jahr haben wir es schon einmal gemacht — und dieses Jahr wieder: Wir haben jede Ausgabe rund ums Wohnmobil notiert, von der Versicherungsrechnung im Januar bis zur letzten Dieselfüllung im Dezember. Der Grund ist derselbe wie immer: Auf Stellplätzen kursieren viele Zahlen, aber wenige davon sind echt.

2026 hat uns ehrlich gesagt überrascht — und nicht angenehm. Der Diesel ist mit einem Jahresschnitt von 2,20 €/l der größte Einzelkostentreiber seit Jahren. Dazu kommen höhere Stellplatzgebühren, teurere Ersatzteile, gestiegene Versicherungsbeiträge. Wir haben die Zahlen trotzdem vollständig — und sie sagen mehr als jede Hochglanz-Kalkulation im Netz.

Eckdaten: Wohnmobil Baujahr 2018, mittleres Segment, Familie zu viert. Rund 13.500 km gefahren, 51 Übernachtungen draußen.

Die feste Seite: Kosten, die anfallen, egal ob ihr fahrt oder nicht

Versicherung — 1.290 €

Vollkasko mit 500 € SB, ganzjährig. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 110 € — die Versicherungen haben ihre Prämien 2026 breit erhöht, Wohnmobile sind davon nicht ausgenommen. Mit Saisonkennzeichen (März–Oktober) wären wir auf ca. 870 € gekommen. Wer nur die Sommermonate fährt, sollte das wirklich durchrechnen.

Steuer — 264 €

Minimal gestiegen gegenüber dem Vorjahr. Für unser Gewicht und unsere Schadstoffklasse liegt das im erwartbaren Bereich. Wer auf ein Euro-6-Fahrzeug umsteigt, profitiert hier teils deutlich.

TÜV / HU & Gasprüfung — 148 €

Kein Beanstandungsbefund — aber allein die Werkstattgebühr für die Vorbereitung hat diesmal 65 € gekostet, Teuerung spürbar auch hier. Die Gasprüfung ist bei uns Pflicht, egal was der Prüfer sagt.

Stellplatz zu Hause — 0 €

Wir parken nach wie vor vor dem Haus. Wer einen Hallenstellplatz mietet, rechnet 2026 mit 80–140 € im Monat — je nach Region. Das macht bis zu 1.680 € im Jahr, die in keiner Standardkalkulation auftauchen.

Schutzbrief & ADAC-Mitgliedschaft — 97 €

ADAC Plus mit Wohnmobil-Erweiterung. Einmal genutzt dieses Jahr — Reifenpanne auf der A8. Ohne Schutzbrief wäre der Pannendienst bei über 180 € gelegen.

Summe Fixkosten: 1.799 € — das sind rund 150 € im Monat, vollkommen unabhängig davon, wie viele Kilometer ihr fahrt.

Die laufende Seite: Was die 13.500 Kilometer gekostet haben

Diesel — 3.623 €

Unser Verbrauch lag erneut bei ca. 11,5 l/100 km — das ergibt rund 1.553 Liter über das Jahr. Der Jahresschnitt von 2,20 €/l klingt erst einmal handhabbar. Die Realität an der Tankstelle war rauer: Autobahn-Raststätten Deutschland lagen regelmäßig bei 2,38–2,52 €, in Österreich und Norditalien teils darüber. Unsere günstigsten Tankungen fanden wir konsequent in Ortschaften abseits der Bundesstraßen — 12 bis 20 Cent Unterschied pro Liter sind keine Seltenheit.

Was wir gelernt haben: Wer mit einer Tankapp (z. B. Clever Tanken oder ADAC Spritpreise) die nächste günstige Zapfsäule sucht und konsequent Tempo 90 statt 110 fährt, spart auf eine Saison locker 500–700 €. Wir haben das im zweiten Halbjahr durchgezogen — der Verbrauchsunterschied war messbar.

Maut & Vignetten — 338 €

Österreich-Vignette, Brenner, Frankreich-Box, einmal Slowenien und kurz durch die Schweiz. Detailliert haben wir das im Beitrag Maut in Europa aufgeschlüsselt — dort stehen auch die aktuellen Preise für 2026.

Stellplätze — 51 Nächte, 743 €

Im Schnitt 14,60 €/Nacht — rund 1,60 € mehr als im Vorjahr. Die Preissteigerungen auf Wohnmobilstellplätzen sind 2026 deutlich spürbar, besonders an der Küste und in Bayern. Unsere Mischung: 6 kostenlose Nächte (Privatgelände, Park4Night), 30 Nächte auf Einfach-Stellplätzen (10–16 €), 15 Nächte mit Komfort und Strom (22–35 €).

Zum Vergleich: Eine Nacht im Hotel für vier Personen in vergleichbaren Lagen — mindestens 130 €, eher 160–190 €. Auf 51 Nächte hochgerechnet sparen wir gegenüber Hotelübernachtungen rund 6.500 €.

Gas — 94 €

Fünf Flaschen im Jahresverlauf. Mehr als im Vorjahr, weil wir zwei längere Herbst-Touren gemacht haben und die Heizung mehr lief. Die Gaspreise sind 2026 weiterhin erhöht — kalkuliert pauschal mit 18–20 € pro Standardflasche.

Wartung & Verbrauchsmaterial — 287 €

Dieses Jahr war die Aufbaubatterie fällig (168 €), dazu Toilettenchemie, Frostschutz, Dichtmasse für eine undichte Dachluke (selbst repariert, 38 €) und die üblichen Kleinigkeiten. Keine große Inspektion — die steht 2027 an und wird die Zahl deutlich nach oben treiben.

Unsere komplette Frühjahrs-Routine, mit der wir viele dieser Kosten früh erkennen, haben wir im Frühjahrscheck-Artikel festgehalten.

Reparaturen / Pannen — 164 €

Reifenpanne (ADAC übernommen), Markisenmotor-Riemen getauscht (selbst, 28 € Material), Türschloss-Mechanismus nachgestellt (Workshop-Kosten: 136 €). Wer beide Werkstatt-Positionen selbst machen kann, landet unter 50 €. Wir konnten es diesmal nicht.

Strom & Frischwasser unterwegs — 91 €

Auf vielen Plätzen mittlerweile Pflichtgebühr, auch wenn man Solarstrom hat. Frischwasser-Auffüllgebühren werden 2026 an überraschend vielen Stellplätzen berechnet — etwas, das vor drei Jahren noch selten war.

Summe laufende Kosten: 5.340 €

„Die ehrliche Gesamtzahl für 2026: rund 7.139 € — das sind knapp 540 € mehr als im Vorjahr, fast ausschließlich durch Diesel, höhere Stellplatzpreise und gestiegene Versicherungsprämien. Auf den Tag gerechnet: 19,60 € — egal ob das Mobil rollt oder steht. Auf den Reisetag (51 Nächte draußen) sind es 140 €. Zum Vergleich: Eine Hotel-Familienreise über die gleichen 51 Nächte hätte uns nach unserer Hochrechnung rund 7.400 € nur für Unterkunft und Frühstück gekostet." — Carolin

Was die Tabelle nicht zeigt

Den Wertverlust

Unser Mobil ist jetzt acht Jahre alt. Der jährliche Wertverlust bewegt sich noch bei schätzungsweise 1.200–1.500 €. Wer neu kauft, rechnet in den ersten drei Jahren mit 4.000–7.000 € pro Jahr — ein Posten, der in den meisten Forum-Rechnungen still übergangen wird.

Die Zeit

Adam hat dieses Jahr rund 22 Stunden mit Wartung, Reparaturen und Frühjahrscheck verbracht. Carolin rund 35 Stunden mit Planung, Buchung und Routenarbeit. Wer das als Hobby verbucht, ist im Vorteil — und wir tun das. Aber ehrlich ist es, es zu nennen.

Was sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt

51 Frühstücke mit den Kindern bei offener Tür. Drei Seen, die wir nur gefunden haben, weil wir die falsche Abfahrt genommen haben. Ein Abend im September an der Müritz, an dem niemand ein Wort gesagt hat, weil es so still war.

Das ist keine romantische Überhöhung — das sind die echten Gegenposten, die am Ende der Tabelle fehlen.

Was wir für 2027 anders machen

  • Konsequenter auf Geschwindigkeit achten. Der Verbrauchsunterschied zwischen 90 und 110 km/h ist bei 2,20 €/l Diesel nicht mehr akademisch — er ist teuer. Wir fahren im nächsten Jahr konsequent 90 auf Autobahnen.
  • Früher tanken, nie an der Autobahn. Die Preisunterschiede rechtfertigen jeden Umweg. Mit der richtigen App ist der nächste günstige Hof in 5 Minuten gefunden.
  • Mehr Harvest-Hosts-Nächte. Die Qualität ist oft besser als Stellplätze, der Preis niedriger. 2026 waren es 4 Nächte — 2027 wollen wir auf 10+ kommen.
  • Die große Inspektion einplanen. 2027 steht die Fünfjahres-Inspektion an. Wir kalkulieren pauschal 800–1.200 € ein und werden nicht überrascht sein.

Das Fazit — ehrlich

Camping ist 2026 teurer geworden. Das lässt sich nicht kleinreden. Wer früher mit 6.000 € im Jahr geplant hat, braucht heute 7.000–7.500 €, wenn er ähnlich viel fährt. Der größte Hebel ist und bleibt der Sprit — und der lässt sich mit Verhalten beeinflussen, nicht nur mit Glück beim Tanken.

Wer 40+ Nächte im Jahr unterwegs ist, reist trotzdem günstiger als mit jedem anderen Urlaubsmodell für Familien. Die Rechnung stimmt — sie ist nur teurer geworden als noch vor zwei Jahren.

Wer unsere vollständige Ausgaben-Tabelle als Vorlage nutzen möchte, findet sie als Bonus im Wohnmobil Einsteiger-Guide. Inklusive einer leeren Version, in die ihr eure eigenen Monatszahlen eintragen könnt.