Was kostet ein Camping-Jahr wirklich? — Unsere Zahlen aus zwölf Monaten

Diesel, Stellplätze, Versicherung, Reparaturen, Maut, Gas, Lebensmittel — wir haben ein Jahr lang jede Ausgabe notiert. Das Ergebnis war anders, als wir dachten. Und ehrlicher als jede Hochglanz-Rechnung.

Im Januar haben wir einen Beschluss gefasst: Wir notieren ein Jahr lang jeden Cent, den unser Wohnmobil uns kostet. Nicht, weil wir Angst vorm Kostenfaktor hatten — sondern weil wir auf Stellplätzen immer wieder dieselben drei Sätze hören: „Das lohnt sich doch gar nicht.", „Ein Hotel wäre billiger.", „Ihr müsst doch ein Vermögen ausgeben."

Wir wollten Klarheit. Für uns selbst — und für alle, die auf Foren nach echten Zahlen suchen und nur Mut-Posts oder Werkstattrechnungen finden.

Hier sind unsere zwölf Monate, ehrlich aufgeschlüsselt. Ein Wohnmobil im mittleren Segment, Baujahr 2018, Familie zu viert, ca. 14.000 km gefahren, 47 Übernachtungen draußen.

Die feste Seite: Das, was anfällt, ob ihr fahrt oder nicht

Versicherung — 1.180 €

Vollkasko mit 500 € SB, Haftpflicht über das gesamte Jahr (kein Saisonkennzeichen). Mit Saisonkennzeichen wären wir bei rund 780 € gelandet, hätten dann aber drei Monate keine Bewegung gehabt.

Steuer — 256 €

Standard für unsere Gewichtsklasse. Bei einem schwereren Mobil über 7,5 t kann das deutlich teurer werden — gut zu wissen, falls jemand mit dem Gedanken spielt, größer zu kaufen.

TÜV / HU — 134 €

Inklusive Gasprüfung. Die machen wir konsequent, auch wenn sie nicht überall mehr Pflicht ist.

Stellplatz zu Hause — 0 €

Wir haben Glück und können es vor dem Haus parken. Wer einen Hallenstellplatz mietet, kalkuliert in unserer Region 60–120 € pro Monat — also schnell weitere 1.000 € im Jahr.

Schutzbrief & Pannendienst — 89 €

ADAC Plus inkl. Wohnmobil-Erweiterung. Wir haben ihn 2024 zwei Mal genutzt — eine einzige Bergung in Frankreich hätte fünfstellig gekostet.

Summe Fixkosten: 1.659 € — also rund 138 € im Monat, an denen sich nichts dreht, ob das Mobil steht oder rollt.

Die laufende Seite: Was die 14.000 Kilometer gekostet haben

Diesel — 3.540 €

Bei einem Schnitt von ca. 11,5 l/100 km und 14.000 km macht das rund 1.610 Liter. Der Jahresschnitt lag bei 2,20 €/l — mit deutlichen Ausschlägen nach oben: Seit der Eskalation im Iran-Konflikt sind wir an Tankstellen in Deutschland und Italien wiederholt mit über 2,40 €/l rausgefahren, in Spitzen sogar bis 2,50 €/l. Im Ausland war's auf der Autobahn häufig nochmal 10–15 Cent teurer als in Wohnort-Nähe.

Hier wird der größte Hebel sichtbar: Wer entspannter fährt (90 statt 110 km/h), spart auf eine Saison locker 15 % — bei diesen Preisen sind das schnell 500 €. Wir haben das im zweiten Halbjahr konsequent probiert. Es funktioniert. Plus: Tanken nicht an der Autobahn, sondern in der nächstgelegenen Ortschaft — das sind oft 12–18 Cent Unterschied pro Liter.

Maut & Vignetten — 312 €

Frankreich-Box, Schweiz-Vignette, Brenner-Stempel, einmal Slowenien. Mehr dazu in unserem Beitrag: Maut in Europa — was wir mittlerweile machen, statt jedes Jahr zu suchen.

Stellplätze (47 Nächte) — 612 €

Im Schnitt rund 13 €/Nacht. Mischung aus kostenlos (5 Nächte), 8–10 €-Plätzen (28 Nächte) und Plätzen mit Strom & Service zwischen 18 und 28 € (14 Nächte). Auf eine Hotelnacht für vier wären wir nie unter 120 € gekommen.

Gas — 78 €

Vier Flaschen über das Jahr. Hauptverbrauch im Winter (Heizung) und beim Kochen.

Wartung & Verbrauchsmaterial — 220 €

Bremsen-Sichtprüfung, Aufbaubatterie-Test, Frostschutz, Toilettenchemie, Klebeband, Sicherungen, ein neuer Radlauf-Schmutzfänger. Eine Großwartung war dieses Jahr nicht fällig — die zieht die Zahl im nächsten Jahr deutlich nach oben. Unsere komplette Frühjahrs-Routine beschreiben wir im Frühjahrscheck-Beitrag.

Reparaturen / Pannen — 92 €

Das war ein gnädiges Jahr. Wasserpumpe selbst repariert (35 € Material), Sicherung der Markise getauscht (12 €), Türdichtung erneuert (45 €). Wer das alles in die Werkstatt gibt, landet schnell bei 600 € — pro Fall.

Strom & Frischwasser unterwegs — 84 €

Auf vielen Stellplätzen extra. Mit unserem Solarausbau brauchen wir Landstrom kaum noch — das spart auf Dauer überraschend viel.

Summe laufende Kosten: 4.938 €

„Die ehrliche Zahl liegt 2025 bei rund 6.600 € im Jahr — gut 700 € mehr als noch 2023, fast ausschließlich wegen der Spritpreise. Das sind 18 € pro Tag, egal ob wir fahren oder das Mobil steht. Pro Reisetag (47 Übernachtungen) sind es 140 €. Aber das ist die falsche Rechnung — denn das Wohnmobil ersetzt für uns nicht ein Hotel, sondern auch ein Auto."

Was die Statistik nicht zeigt

Den Wertverlust

Wohnmobile verlieren in den ersten drei Jahren spürbar Wert, danach erstaunlich wenig. Unser Mobil war beim Kauf sechs Jahre alt — der Wertverlust 2024 lag bei rund 1.500 € (geschätzt). Wer neu kauft, kalkuliert hier locker 4.000–6.000 € im ersten Jahr.

Die Lebenszeit

Adam hat dieses Jahr ungefähr 18 Stunden mit Reparaturen verbracht. Carolin hat etwa 30 Stunden mit Routenplanung verbracht. Das ist Zeit, die man einrechnen darf — oder als Hobby gegenrechnen. Wir tun letzteres.

Das Glück

Steht in keiner Tabelle. Aber 47 Frühstücke mit den Kindern bei offener Tür auf der Wiese, drei Sonnenuntergänge mit Carolin auf dem Klappstuhl, ein Donnerstag in der Bretagne, an dem wir wegen einer kaputten Wasserpumpe verstehen mussten, statt Urlaub zu machen — das ist die Bilanz, die zählt.

Was wir gelernt haben

  • Die Fixkosten sind das, was viele unterschätzen. 138 €/Monat fallen an, ob das Mobil rollt oder nicht. Wer nur einen Sommerurlaub macht, zahlt teuer pro Tag.
  • Wer 50+ Nächte im Jahr draußen ist, fährt günstiger als jede andere Reiseform für Familien. Im Vergleich zu Hotelübernachtungen für vier Personen sparen wir rund 4.500 € im Jahr.
  • Selbst kleine Schraubereien sparen viel. Wer drei Werkstattbesuche pro Jahr selbst macht, finanziert davon den nächsten Solarausbau.
  • Diesel ist 2025 der größte Hebel — und der größte Schmerzpunkt. Mit Preisen zwischen 2,10 und 2,50 €/l ist Tanken zur teuersten Einzelposition geworden. Tempo runter, Routen besser planen, längere Standzeiten und niemals an der Autobahn tanken — das spart in einem Jahr schnell 500–600 €.

Wer rechnen will, sollte ehrlich rechnen

Wir haben unsere komplette Tabelle (anonymisiert, mit allen Kategorien und Monatsverläufen) als Bonus-PDF in den Wohnmobil Einsteiger-Guide aufgenommen. Inklusive einer leeren Vorlage, in die ihr eure eigenen Zahlen eintragen könnt — und einem Kapitel zu typischen Kostenfallen, die wir in den ersten Jahren übersehen haben (Spoiler: die Saisonkennzeichen-Falle und der „kostenlose" Hallenstellplatz mit Heizung).

Camping ist günstiger als die meisten denken — aber teurer als ein Wochenendausflug mit dem Auto. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Und in der Tabelle.